Wieder startet ein neues Jahr und wieder gilt es sich Gedanken über Saisonplanung und Ziele zu machen – wobei

Mit dem "Traum von Turin" im Rücken, lässt es sich diesmal ohne Druck angehen!

Mit dem „Traum von Turin“ im Rücken, lässt es sich diesmal ohne Druck angehen!

dieser Prozess sicher nicht erst mit Eintritt des Neujahrstags beginnt. Wie in all den Jahren werde ich mich auch 2017auf einzelne, wenige ausgewählte Highlights konzentrieren. Bei Wettkämpfen jenseits der 200 Kilometer-Marke würde es auch sicherlich nicht anders funktionieren, zumindest nicht dann, wenn man bei den jeweiligen Rennen eine möglichst optimale Leistung abliefern will. Da die Weltmeisterschaften über 100 km und 24 h im jährlichen Wechsel ausgetragen werden, ist es 2017 also wieder soweit – Weltmeisterschaft! Mensch, welch magische Faszination hat allein das Wort „Weltmeisterschaft“ über viele Jahre auf mich ausgeübt. Für mich gibt es im Leistungssport nichts größeres, als EIN Wettkampf, zu dem die besten Athleten der jeweiligen Sportart/ -disziplin aus der gesamten Welt zusammenkommen. Ein jeder bereitet sich nach bestem Wissen und Gewissen vor, um dann am „Tag X“ alles in die Waagschale zu werfen. Faszinierend ist das Wort „Weltmeisterschaft“ auch allein schon deshalb für mich, weil der Traum, einmal eben diese zu gewinnen, über fast ein Jahrzehnt mein alltäglicher Begleiter war – als Motivation im Training sowieso, aber auch in meinem restlichen Leben; ja, es hat sogar meine außerläuferische Lebensgestaltung prägend mitgestaltet. Jahrelang hab ich mir dann bei den Weltmeisterschaften, die ja nicht gerade jeden zweiten Tag stattfinden, die Zähne ausgebissen, war zwei Mal ganz nah dran, in dem ich einmal Zweiter und einmal Dritter wurde. 2015 dann mein Jahr, mein Traum wurde wahr – aber die Story ist ja bekannt.

Die Zeit verfliegt und nun steht im Juli die erste Weltmeisterschaft seit Turin ’15, diesmal im nordirischen Belfast an. Es wäre meine erste Weltmeisterschaft als Titelverteidiger – für mich ist es Ehrensache, dann auch anzutreten. Selbstverständlich werde ich versuchen, den Titel erfolgreich zu verteidigen, aber es hat, glaube ich, wenig mit Tiefstapeln zu tun, wenn man hier von einem ziemlich schwierigen Unterfangen spricht. Eine erfolgreiche Titelverteidigung ist bislang lediglich der japanischen Legende Ryoichi Sekiya gelungen. In den letzten Jahren waren die Titelverteidiger sogar oftmals verletzungsbedingt erst gar nicht am Start. Meine 263,9 km aus Turin sind zwar bis zum heutigen Tage, obwohl das keine leichte Strecke war, noch nicht übertroffen worden, aber ich denke die letzten beiden Sätze sagen eigentlich schon alles…

Da dieser Artikel ja um die Ziele für 2017 geht, sollte ich nun auch endlich mal was zu meinem konkreten Ziel in Belfast schreiben.

Also hier mein Ziel: Langfristig und zielorientiert auf Belfast vorbereiten – gesund und fit an der Startlinie stehen… und dann vertraue ich einfach mal darauf, dass ich, wie bei allen Meisterschaftsläufen in den letzten Jahren, es auch bei dieser WM wieder hinbekomme, ans absolute Limit zu gehen. Und wenn dann auch noch ein bisschen Glück mit dazu kommt, ja dann kann es sogar tatsächlich was werden mit einer erfolgreichen Titelverteidigung.

Mein zweiter Zielwettkampf in diesem Jahr ist ebenfalls eine Meisterschaft – allerdings ist diese mindestens zwei Schuhgrößen kleiner. Nachdem ich mich in den letzten Jahren total auf die internationalen Wettkämpfe konzentriert habe, bin ich schon seit Juni 2012 keinen „richtigen“ Wettkampf mehr auf nationalem Boden gelaufen. Das wird sich in diesem Jahr ändern, denn ich möchte mal wieder bei der 24 h Deutschen Meisterschaft antreten. Diese findet in diesem Jahr im Frühherbst im thüringischen Gotha statt, mehr oder weniger im Stadtzentrum in einem schönen Ambiente rund ums dortige Schloss. Ich find’s klasse, denn genau dort, d. h. zentral bzw. an einer coolen Location sollte die Zukunft des 24 h-Laufs liegen, wenn man aus dem Nischendasein rauskommen will! Von daher habe ich Lust, wieder mal bei einer DM zu laufen, auch wenn da die Konkurrenzsituation logischerweise nicht ganz so reizvoll ist wie bei großen internationalen Wettkämpfen.

Ein Wunsch wäre es, bei einem der beiden 24er die persönliche Bestleistung tatsächlich noch etwas nach oben zu schrauben. Meine 263,9 km sind ja eigentlich nicht so wirklich repräsentativ, da das in Turin etwas suboptimal war, was die Streckenführung angeht. Von daher müsste da, meiner Meinung nach, auf einer flachen Strecke und an einem guten Tag schon deutlich mehr drin sein. Aber klar, … in der Theorie lässt sich das alles immer so einfach sagen …

Eventuell werde ich im Übrigen als „Aufbauwettkampf“ auch mal einen 100er laufen. Die 100 km sind mir zwar eigentlich entschieden zu kurz, aber wenigstens eine repräsentative und einigermaßen brauchbare 100-km-Zeit möchte ich dann schon auch noch klarmachen.