Wie in den letzten Jahren plante ich auch für 2013 wieder einen Marathon im März, als Aufbauwettkampf für die Ultralaufsaison, zu laufen. Nachdem es mich im vergangenen Jahr auf die schnelle Strecke nach Kandel verschlagen hatte, fiel meine Wahl diesmal auf den Würzburger Gedächtnislauf. Dabei handelt es sich jedoch um keinen klassischen Marathon, sondern es sind 44km zu bewältigen. Nichtsdestotrotz wollte ich unbedingt dort starten, da ich vor fast genau 10 Jahren hier meinen ersten Marathon gelaufen bin. Außerdem wird der Lauf unter anderem von meinem Verein, der LG Würzburg, veranstaltet und da meine beiden Geschwister auf der Halbmarathonstrecke ihr Debüt gaben, wollte ich bei der 19. Auflage natürlich mit dabei sein.
Der Lauf führt entlang des Mains vom Würzburger Rathaus nach Gemünden und soll an die furchtbare Zerstörung von Würzburg am 16.3.1945 erinnern. Der Unterschied zu den meisten anderen Läufen ist der, dass es keine Startgebühr im eigentlichen Sinne gibt. Stattdessen ist eine Spende zu entrichten, über deren Höhe die Teilnehmer jeweils selbst entscheiden können. Mit den Spenden sollen bedürftige Familien in der Region unterstützt werden. Für so etwas läuft man doch gerne…
Leider habe ich mir knapp eine Woche vor dem Wettkampf eine Erkältung eingefangen, wodurch ich mich eigentlich schon dazu entschied, nicht teilzunehmen. Da es zum Glück aber nur bei einer leichten Erkältung ohne Fieber geblieben ist und ich mich schneller als erwartet erholte, entschied ich mich doch für eine Nachmeldung. Auch wenn ich mich für die „Langdistanz“ anmeldete, ließ ich es mir offen, im Zweifelsfall eines der Zwischenziele in Himmelstadt bei Kilometer 21 oder Karlstadt nach 28 Kilometern anzusteuern.
Um 11:00 Uhr ging es mit etwa 500 Teilnehmern bei strahlendem Sonnenschein aber kalten Temperaturen auf die Strecke. Die ersten zwei Kilometer ging es erst mal gemütlich als neutralisierten Start hinter den Radfahrern her. Erst als wir den Main-Radweg erreichten, konnte die eigene Pace gelaufen werden. Adam Zahoran nutzte dies auch sofort und wir sollten ihn auch erst wieder im Ziel zu Gesicht bekommen. Adam ist, genauso wie ich, Ultraläufer und hat auch schon einige Einsätze für das ungarische Nationalteam zu verzeichnen. Ich selbst hatte mir als Voraussetzung für einen Start selbst auferlegt, verhalten zu starten und erst mal zu schauen wie ich mich fühle. Auch der für die TG Kitzingen startende Sebastian Apfelbacher hatte sich, auf Grund von Trainingsrückstand, nicht allzu viel vorgenommen und so vergingen die ersten Kilometer plaudernd wie im Fluge. Nach etwas mehr als 10 Kilometern fühlte ich mich eigentlich immer noch sehr gut, so dass ich das Tempo ganz vorsichtig, aber kontinuierlich, erhöhte. Kurz nach Zellingen meldete Sebastian erste Zweifel am Tempo an, und wir entschieden uns, getrennt weiterzulaufen. Fast konnte ich noch an den ersten Läufer der Halbmarathonwertung heranlaufen, was jedoch nicht ganz gelang. In Himmelstadt angekommen erhielt ich dann die Info, dass Adam bereits vier bis fünf Minuten Vorsprung herausgelaufen hat. Ab dem Moment wusste ich, dass die zweite Hälfte des Rennens wohl sehr „einsam“ werden wird, denn solche Zeitabstände holt man unter normalen Umständen nicht mehr ein. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich auf den letzten Kilometern, bevor es wieder auf die rechte Mainseite gehen sollte, sehr wohl und ich konnte ein konstantes Tempo laufen. In Karlstadt oder besser gesagt in „Karscht am Mee“ galt es das letzte der drei Zwischenziele zu durchqueren. Vor dem Lauf hatte ich mir die Option offen gehalten, nur bis hierher zu laufen. Nachdem ich die Zielgasse rechts liegen ließ gab es kein Zurück mehr und ich nahm die letzten 16 Kilometer in Angriff. Ab der Staustufe Harrbach, von wo aus es noch etwas mehr als 10 Kilometer bis ins Ziel sind, merkte ich aber wie so langsam die Kräfte schwinden. Irgendwie fehlte jetzt auch so ein bisschen die Bereitschaft, sich nochmal so richtig zu quälen. So entschied ich mich, das Rennen kontrolliert, aber auf jeden Fall unter 3 Stunden, „nach Hause“ zu laufen. Die Kopfrechenversuche bei Kilometer 40 ergaben, dass für eine Zeit unter drei Stunden auf den letzten vier Kilometern kein Endspurt mehr nötig ist, worüber ich dann doch auch ganz froh war. Das Ziel in Gemünden konnte ich letztendlich nach 2:58:26h und 44 gelaufenen Kilometern erreichen.
Auch wenn ich ursprünglich sicherlich eine bessere Zeit für den Lauf angepeilt hatte, bin ich auf jeden Fall zufrieden, da ich den Start für mich ja eigentlich schon abgesagt hatte. So konnte ich mein 10-jähriges Marathonjubiläum an der Stelle feiern, an der am 15.März 2003 alles begann.
Außerdem hatte ich so die Möglichkeit, meine neuen Newline-Schuhe unter Wettkampfbedingungen zu testen. Mit dem „Newline Pacemaker 3.0“ konnte ich den Lauf ohne Probleme absolvieren und freue mich schon auf die langen Trainingsläufe über 60 bis 70 Kilometer.
Mein Respekt und mein Glückwunsch gilt Adam Zahoran, der einen klassischen Start-Ziel-Sieg verwirklichen konnte. Mit der Zeit von 2:48 Stunden lief er gleichzeitig auch in der 19. Auflage einen neuen Streckenrekord.
Für mich beginnt nach einer etwa 10-tägigen Regenerationsphase das spezifische 24h-Lauf-Training für die WM/EM. Mitte Mai geht es für mich nämlich im niederländischen Steenbergen an’s „Eingemachte“.

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