Mittlerweile sind wir wieder zurück in Deutschland, wird also Zeit, es auch hier zu schreiben. Die Europameisterschaft in Timisoara (hier die Ergebnisliste) wird für mich PLANMÄSSIG der letzte Auftritt im Nationaltrikot gewesen sein. Direkt nach „Abpfiff“ der 24 Stunden habe ich, noch an der Wettkampfstrecke, unseren Teamchefs Nobert und Ralf meinen Rücktritt aus dem Kader bekanntgegeben, obwohl ich ja für die nächste WM in 2019 die Norm schon erfüllt hätte. Für mich selbst habe ich die Entscheidung, mich nach dem Spartathlon vom leistungssportlichen Laufen auf internationalem Niveau zurückzuziehen schon seit meinem Wahnsinnsjahr 2015 im Kopf gehabt und seit vielen Monaten beschlossen. Kurioserweise passt es sogar nahezu perfekt in meinen langfristigen Plan, den ich mir vor ca. acht Jahren geschrieben habe. Damals habe ich den Leistungszenit für 2015/2016 prognostiziert, um dann vielleicht zwei, drei Jahre später ruhiger zu treten.

Mein letzter Lauf im Nationaltrikot

Mein letzter Lauf im Nationaltrikot

Okay, die letzten drei Läufe und insbesondere die EM in Timisoara habe ich mir natürlich ein bissl arg anders vorgestellt, als dies dann letztendlich gelaufen ist. Wichtig ist mir jedoch zu betonen, dass die Entscheidung unabhängig von den Ergebnissen schon im letzten Jahr gefallen ist. Ich muss mir natürlich nichtsdestotrotz schon auch eingestehen, dass sich mittlerweile schon auch so etwas wie eine „mentale Müdigkeit“ von den brutal intensiven letzten Jahren eingeschlichen hat. Jahrelang war es meine große Stärke, dann, wenn es in die entscheidende Phase des Rennens geht, bis zum absoluten Geht-nicht-mehr zu kämpfen. Zwischen 2011 und 2015 war ich aufgrund dieser Mentalität im 24h-Lauf – ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen – sicherlich der konstanteste Ultraläufer in meiner Preisklasse. Wenn man sich die letzten drei Rennen anschaut, dann ist davon natürlich nicht mehr viel übrig geblieben und ich sehe diese „mentale Müdigkeit“ auch als klare Bestätigung, dass nun einfach die Zeit gekommen ist und meine Entscheidung richtig ist… man soll ja immer was Positives finden ;). Auch mein Bedarf an Situationen, in denen das Rennen auf der Kippe steht und der Kampf um Platzierungen Geist und Körper wirklich alles abverlangt, ist einfach auch irgendwann gedeckt. Die Erschöpfung nach den Wettkämpfen, an denen ich je nach Rennsituation gefordert war, an das äußerste Limit gehen zu müssen, war in den letzten Jahren manchmal schon etwas grenzwertig – um es mal vorsichtig auszudrücken. Von daher – „Schluss mit der elendigen Quälerei!“ 😉
Selbstverständlich wird der Ultralauf auch weiterhin ein Teil von meinem Leben bleiben und man wird mich sicherlich auch mal wieder auf einer 24h-DM sehen, allerdings wird die Art und Weise wie ich ihn betreibe, rein gar nichts mehr mit dem der letzten Jahre zu tun haben. Leut‘ ich sag’s Euch… der Zeitpunkt für den Rückzug vom leistungssportlichen Laufen ist genau der richtige! Für mich war all die Jahre klar, dass dieses „perfektionistische Laufen“ nur einen begrenzten Zeitraum gehen soll, in dem ich alles in die Waagschale werfe, was irgendwie geht. Seit 2006 bin ich auf der Leistungsschiene unterwegs, so richtig ab ging es dann ca. fünf Jahre später. Ich habe in der Zeit alles erlebt – Höhen und Tiefen, unvergessliche Momente, wunderbare Begegnungen, unfassbare Emotionen, wie man sie in dieser Art wohl nur im Feld des Sports erleben kann. Es war eine große Faszination, mit Hingabe und Leidenschaft für Ziele und Träume zu kämpfen. Aber hey – ganz ehrlich… Weltmeister, drei Mal Europameister, den Spartathlonsieg… gekrönt mit ein paar ganz netten Auszeichnungen wie „IAU-Athlete of the Year“ etc. – bei allem Ehrgeiz, irgendwann langt es einfach. Im Nachhinein könnte man natürlich sagen, Ende 2015 wäre der perfekte Zeitpunkt gewesen. Auf der anderen Seite war ich damals aus verschiedenen Gründen der Meinung, dass meine 24h-Bestleistung noch nicht dem Leistungspotential entspricht. An das Niveau bin ich zwar dann nicht mehr rangekommen, aber so weiß ich wenigstens, dass es halt dann in Sachen persönlicher Bestleistung nicht mehr weiter ging – was ja auch absolut okay ist. Schön und mir wichtig war die Tatsache, dass ich dann nach meiner Verletzungspause in 2016 letztes Jahr noch ein schönes und gelungenes Comeback in Belfast bekommen habe. Von daher … alles gut… und es gibt keinen Grund irgendetwas nachzutrauern.
Nach dem Spartathlon wird bei uns eine Hochzeit anstehen (jaja, ich weiß… nach 11 Jahren wird es ja auch mal Zeit 😉 ), was ja auch nicht der allerschlechteste Zeitpunkt ist, die wirklich wichtigen Dinge im Leben in den Vordergrund zu stellen. Nicole, die mich wirklich bei allen wichtigen Wettkämpfen nicht nur begleitet, sondern 24 Stunden lang betreut hat, habe ich da natürlich sowieso so viel zu verdanken, wie es kein Homepagetext der Welt zum Ausdruck bringen könnte.
Bis zum besagten Spartathlon werde ich mich allerdings noch mal voll ins Training reinhauen, um dort einen würdigen Abschluss eines Lebensabschnitts zu feiern, dessen Erlebnisse ich mein Leben lang tief im Herzen behalten werde. Ich bin jedenfalls unfassbar dankbar für all die tollen Erfahrungen, welche ich in den letzten 12 Jahren machen durfte!!!