Mit einem guten Lauf habe ich gerechnet, doch dass für mich persönlich ein so gigantisches Ergebnis zustande kommt, das hätte ich mir nicht erträumen lassen! …So oder so ähnlich könnte ich meine Teilnahme bei der Deutschen Meisterschaft im 24-Stundenlauf für mich selbst zusammenfassen.

Mit einer Leistung von 246,3 Kilometern konnte ich in Reichenbach/Vogtland die Deutsche Meisterschaft gewinnen und gleichzeitig die Führung in der Deutschen Jahresbestenliste übernehmen. Das Ergebnis, das für mich auch eine neue persönliche Bestleistung bedeutet, ist das beste eines Deutschen Meisters seit 2004. Außerdem konnte ich den seit 1996 bestehenden Veranstaltungsrekord der “Langen Nacht von Reichenbach” verbessern.

Nach 2006 (ebenfalls Reichenbach) und 2007 (Scharnebeck) war es für mich nun schon der dritte Sieg bei einer Deutschen Meisterschaft im 24-Stundenlauf. Das gelang bislang nur dem herausragenden Athleten Jens Lukas um die Jahrtausendwende und Peter Samulski Anfang der 90er Jahre. In dieser Rangliste mit solch großen Sportlern gleichzuziehen macht mich besonders Stolz.

Gelaufen wurde auf einem Rundkurs von 1198 Metern auf wechselndem Untergrund: auf Asphalt, Betonpflaster und einer Kunststoff-Leichtathletikbahn. Die Strecke ist zwar weitestgehend flach und für gute Ergebnise gut geeignet, doch hatte auch sie ihre Tücken. So musste ich mich gerade nachts besonders konzentrieren, um bei den Überrundungen an den unebenen Richtungswechseln nicht zu stolpern.

Die Wetterbedingungen waren tagsüber bei Höchsttemperaturen um die 20°C relativ optimal. Nachts kühlte es auf Temperaturen unter 10°C ab, was vor allem auf Grund der zunehmenden Müdigkeit von manchem Läufer als sehr kalt empfunden wurde. Da ich auch in den Nachtstunden noch in der Lage war ein ordentliches Tempo zu laufen, hatte ich keine nennenswerten Probleme mit den kühlen Temperaturen, so dass ich sogar das komplette Rennen im kurzärmlichen Trikot absolvieren konnte.

In diesem Jahr war die Deutsche Meisterschaft besonders gut besetzt. So standen alleine sieben Athleten mit einer persönlichen Bestleistung von mehr als 230 Kilometern an der Startlinie. Michael Vanicek von der LG Nord Berlin konnte sogar eine Vorleistung von über 250 Kilometern aus dem vergangenen Jahr aufweisen. Wahrscheinlich war die starke Besetzung des Teilnehmerfeldes der Grund, dass einige Läufer ein sehr flottes Anfangstempo wählten, was bei solch einem langen Rennen immer ein Risiko für das Erreichen einer guten Leistung bedeutet. Trotzdem versuchte ich mich nur auf mein eigenes Rennen zu konzentrieren. Als Anfangstempo wählte ich eine Geschwindigkeit von 7:03 Minuten pro Runde. Würde man dieses Tempo konstant über 24 Stunden laufen, käme man auf ein Ergebnis von 245 Kilometern. Mein Plan war es, dieses Tempo möglichst lange einzuhalten und mich dann irgendwie durchzukämpfen. Ab der Hälfte des Rennens hatte ich stündlich auf den Einbruch “gewartet”, doch “der Mann mit dem Hammer” kam und kam nicht. Dass ich das Anfangstempo über die komplette zeitliche Dauer durchhalten kann und in der Schlussphase sogar noch beschleunigen kann, das hätte ich wirklich nicht erwartet. Mit meinem gleichmäßigen Lauf schob ich mich gerade in den Nachtstunden immer weiter in der Rangliste nach vorne. In den frühen Morgenstunden, nachdem etwa drei Viertel der Wettkampfzeit absolviert waren, konnte ich dann endgültig die Führung übernehmen.

Bei einem 24-Stundenlauf stellen vor allem die Nachtstunden eine große Herausforderung dar. Gerade in dieser Phase ist es für die Läufer wichtig ein gutes Betreuerteam zur Unterstützung an ihrer Seite zu haben. Eine große Hilfe waren für mich meine “bessere Hälfte” Nicole und mein Bruder Sascha. Vielen Dank für die erstklassige Betreuung!

Nach Sonnenaufgang war es mir sogar möglich, meinen Vorsprung auf einige Kilometer auszubauen. Spätestens jetzt war mir klar, dass mir der Sieg, wenn nichts außergewöhnliches mehr passiert, wohl nicht mehr zu nehmen ist. Nichtsdestotrotz versuchte ich in den letzten Stunden nochmal etwas Tempo zuzulegen um in der Jahresbestenliste die Messlatte für die Konkurrenz möglichst hoch zu legen, was auch durch einen “Endspurt” in den letzten 30 Minuten des Rennens gelang.

Vervollständigt wurde das Siegertreppchen durch Michael Hilzinger (239 Km) von der LG DUV und Kai Horschig (223,6 Km) von der TSG Schopfheim, mit denen ich schon 2010 für die Nationalmannschaft angetreten bin. Durch meine Kilometerleistung habe ich schon jetzt die Qualifikationsnorm für das Deutsche Nationalteam erfüllt. Die Welt- und Europameisterschaft wird nächstes Jahr im polnischen Katowice ausgetragen.

Foto: Steffen Barth, Werdau

Siegerehrung im Sitzen: Da ich nach dem Lauf „etwas geschwächt“ war, hatte der Veranstalter Gnade mit mir, so dass mir für eine zusätzliche Ehrung ein erneutes Erklettern des Siegertreppchens erspart blieb.