Im Moment liegt meine 24-h-Bestleistung bei 261,7 Kilometern. Auch wenn dazu noch mehr als 14km fehlen, träume ich schon jetzt ein wenig von der Verbesserung des Deutschen Rekordes aus dem Jahr 1987.
Eines ist dabei aber jetzt schon klar: Eine realistische Chance, die 276,209 Kilometer zu knacken, habe ich nur, wenn ich meine Bestzeiten auf den Unterdistanzen verbessere. Anderenfalls ist eine so große Steigerung im 24-h-Lauf eher unwahrscheinlich. Dementsprechend habe ich mir es für das Jahr 2014 fest auf die Fahnen geschrieben, an meinen Leistungen der kurzen Strecken zu arbeiten – irgendeinen guten Vorsatz braucht man ja zum Jahreswechsel 😉
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Teil 4:
Am 10. Mai sollte es zur Deutschen Meisterschaft im 100-km-Lauf nach Husum gehen. Ursprünglich hatte ich mir für den Wettkampf einiges vorgenommen, da meine Bestzeit über die „klassischste“ Ultradistanz bislang noch nicht soZiel wirklich toll ist. Letztendlich kam es aber anders wie geplant oder, anders ausgedrückt, besser wie geplant. Die Gelegenheit beim Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ mitlaufen zu dürfen, war mir eine große Ehre und so habe ich damals sofort ohne zu zögern zugesagt. Das hat sich auch absolut gelohnt, da der Lauf am 1. Mai ein wirklich tolles Erlebnis für mich war. Auf der anderen Seite war aber auch klar, dass damit eine richtig gute Zeit bei der DM nicht möglich sein wird, da diese nur ganze acht Tage nach den 106 Kilometern rund um Frankfurt stattfinden sollte.
Da ich schon lange nicht mehr bei der 100-km-DM am Start war und ich auch den Teamkameraden von der LG Würzburg schon vor längerer Zeit meine Teilnahme zugesichert habe, stand eine Absage für mich aber dennoch nicht ernsthaft zur Debatte. Also galt es, bei diesem Wettkampf einfach mal kleinere Brötchen zu backen. „Glücklicherweise“ steht meine Bestzeit aus dem Jahr 2012 über diese Distanz lediglich bei 7:43 Stunden, so dass ich mir zum Ziel gesetzt habe, wenigstens meine Serie „Unterdistanzen verbessern! 2014“ weiter auszubauen.
Die Strecke verlief direkt hinter dem Damm an der Nordsee und war bis auf eine kleine Welle ziemlich flach. Zu laufen galt es eine 2,5 Kilometer Runde, wobei diese eher als Pendelstrecke zu bezeichnen ist, was den Vorteil hatte, einen guten Überblick über das Rennen zu haben. Da ich kein Hitzeläufer bin, kamen mir die kühlen Temperaturen von etwa 10°c sehr entgegen. Dafür war ich über die für diese Region typische „steife Brise“ alles andere als erfreut, da mir für das ständige Ankämpfen gegen den Wind einfach die Kraftausdauer fehlt.
Auch wenn es mein Ziel war „nur“ die 7:43h zu knacken, plante ich mit einer Pace von 4:20 min/km loszulaufen, weil ich bei diesem Lauf einfach überhaupt nichts zu verlieren hatte. Da ich bislang noch überhaupt keine Erfahrung mit einem Lauf von über 100 oder mehr Kilometer so kurz vor einem langen Wettkampf hatte, habe ich insgeheim etwas darauf spekuliert, dass ich auf Grund meines noch recht jungen Läuferalters und der damit verbunden schnelleren Regenerationszeit, die Aktion vom 1. Mai doch besser weggesteckt habe als erwartet. Da mir der Wind aber doch etwas Sorgen bereitete, habe ich das Ganze letztendlich auf eine Pace von etwa 4:24 min/km korrigiert. Die ersten Kilometer bin ich, wie geplant, mit meinem Vereinsfreund und Newline-Kollegen, Rainer Koch, gemeinsam gelaufen. Da Rainer aber etwas Tempo rausnehmen musste, war ich schon ab Kilometer 20 auf mich alleine gestellt. Da ich das bei diesen Windbedingungen vermeiden wollte, zog ich das Tempo leicht an, um auf die beiden Läufer vor mir aufzuschließen. Von da an lief ich die kommenden Kilometer gemeinsam mit Dirk Joos von der LG Bodensee, was ich auf Grund unserer gegenseitigen Unterstützung auch als sehr angenehm empfand. Ab der Hälfte des Rennens hatte ich doch schon ordentlich Mühe das Tempo zu halten, so dass ich mich irgendwann zwischen Kilometer 55 und 60 von Dirk verabschiedete. Ab diesen Zeitpunkt sank meine Geschwindigkeit rapide ab, so dass ich phasenweise lediglich im 5er-Tempo unterwegs war. So richtig quälen konnte ich mich in dieser Phase des Rennens auch nicht mehr, so dass sich an der langsamen Lauf-Geschwindigkeit erstmal nichts ändern sollte. Auch wenn das Rennen an Position 6 liegend für mich gelaufen war, stand aber zu keiner Zeit des Rennens ein Ausstieg zur Debatte. Im Vorfeld des Wettkampfes habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt, dass es auf Grund der Vorbelastung zu schwierigen Phasen kommen kann. Dementsprechend war für mich jetzt das oberste Gebot, Geduld zu bewahren und das Ganze einigermaßen würdevoll über die Bühne zu bringen. Nach etwa 85 Kilometern habe ich mich dann wieder etwas gefangen und da trotz der langen Schwächephase eine neue Bestzeit immer noch im Bereich des Machbaren lag, war ich nun auch wieder bereit, die Zähne aufeinander zu beißen. So steigerte ich kontinuierlich wieder mein Tempo, um in der Endphase des Rennens wieder das gleiche Tempo wie am Beginn des Rennens zu laufen. Damit war ich in der letzten Runde einer der schnellsten Läufer im Feld, was letztendlich zu einer Zeit von 7:38:07h und dem 5. Platz führte.

Fazit: In Anbetracht dessen, dass ich die 106 Kilometer vom 1. Mai wie erwartet wohl noch nicht komplett verdaut hatte und die Wetterbedingungen an der Nordsee alles andere als optimal waren, kann ich mit der Endzeit doch ganz gut leben. Insgesamt ein solides Rennen und immerhin hat es zur Komplettierung des Quartetts von „Unterdistanzen verbessern!“ auch noch gelangt.

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