Projekt 6-Tage-Lauf #3: Terminverschiebung des Wettkampfs

Wie zu erwarten kann der 6-Tage-Lauf nicht am 7.5.20 starten. Zum Glück wurde die Veranstaltung aber noch nicht abgesagt, sondern in den Herbst verlegt. Man kann nur hoffen, dass sich die Lage in Sachen Corona entspannt, so dass der 6-Tage-Lauf dann Ende September auch tatsächlich stattfinden kann. Natürlich ist die Terminverschiebung ärgerlich, da sich ja sicherlich alle Teilnehmer schon intensiv in der Vorbereitung befunden haben. Auf der anderen Seite ist die Entscheidung natürlich zu 100% nachvollziehbar, bzw. sie war ja eigentlich auch völlig alternativlos gewesen. Ich werde versuchen das beste aus der Situation zu machen und die Zeit möglichst sinnvoll nutzen.

Was die Verlegung insbesondere auch für meine Vorbereitung zu bedeuten hat, erfahrt Ihr im nachfolgenden Video:

Mit der NIEMALS-AUFGEBEN-MENTALITÄT durch die Corona-Krise!

Wir leben aktuell in nicht ganz einfachen Zeiten. Mit meinem Videobeitrag aus der Reihe „Ultramarathonexperte“ möchte ich anderen Menschen Mut machen, um die aktuelle Situation auch ein klein wenig als Chance zu wahrzunehmen – sowohl für das Laufen, als auch außerhalb dessen!

Projekt 6-Tage-Lauf #2: Trainingskonzept

Ein nicht ganz unwesentlicher Teil der Vorbereitung ist natürlich das läuferische Training an sich. Eigentlich ist dieser Part aber für mich selbst fast der unspektakulärste. Im Großen und Ganzen werde ich mich bei meiner Vorbereitung an einem klassischen 24-h-Lauf-Training orientieren und das kenne ich ja ganz gut. In Sachen Training möchte ich es ehrlich gesagt nicht ganz so verbissen angehen (wie das vielleicht manchmal früher der Fall war), denn ich möchte das Ganze ja in erster Linie als Ultramarathon-Abenteuer mit Lerneffekt zu verstehen wissen. Ein gewisses Konzept ist natürlich trotzdem von Nöten.
So ganz isoliert darf man solch eine Vorbereitung natürlich nicht sehen, stattdessen geht es um den Gesamtkontext in dem das Training stattfindet. Das heißt, der Zeithorizont der Vorbereitung geht weiter als über die letzten drei Monate vor dem Highlight in Ungarn hinaus. Die Idee, in 2020 den 6-Tage-Lauf in Angriff zu nehmen, trage ich ja schon länger mit mir herum. Dementsprechend habe ich das auch schon im letzten Viertel des Jahres 2019 berücksichtigt.
Soll heißen, im Sinne von „vom Unspezifischen zum Spezifischen“ ging es noch nicht so wirklich darum, Kilometer ohne Ende abzureißen. Zugegebenermaßen hätte ich da auch nicht die Zeit dazu gehabt. Stattdessen habe ich tendenziell eher unspezifisch trainiert. Mein Plan war es, ein wenig an den kurzen Strecken zu arbeiten. So ganz umsetzen konnte ich das nicht, da ich recht eingespannt war. Was jedoch gut funktioniert hat, war es, wie geplant auch mehr an der Kraftausdauerkomponente, mittels Einbau von Höhenmetern zu feilen.
Oft wird in der Vorbereitung auf solch einen Mehrtagelauf auch schon ein langer Ultramarathon-Wettkampf in die letzten Monate der Vorbereitung eingebaut. Ich habe mich jedoch ganz bewusst dagegen entschieden, da ich mir die mentale Frische für das Projekt 6-Tage-Lauf aufrecht erhalten möchte. Aus meiner Erfahrung weiß ich, wie ermattend diese ganz langen Läufe über mehr als 200 km sein können. Dementsprechend habe ich für mich entschieden, dass ich solch einen Lauf nicht einbaue, auch wenn ich es rein physiologisch bei angepasstem Renntempo sicherlich auch rechtzeitig regeneriert bekommen hätte. Stattdessen werde ich bei der Deutschen Meisterschaft im 100km-Lauf am Start sein.
Dementsprechend wird der längste Lauf der Vorbereitung auch nicht länger als eben diese 100km sein. Im Vergleich zu dem was dann im Zielwettkampf gelaufen werden soll, ist das mehr oder weniger nur eine „Kurzstrecke“. Meiner Meinung nach macht es aber wenig Sinn, das Training in einen Bereich zu bringen, in dem es vom Körper nicht entsprechend gewinnbringend „verarbeitet“ werden kann. Es ist zwar verlockend im Hinblick auf die im Wettkampf zu laufende Distanz auch im Training schon etliche Läufe im dreistelligen Kilometerbereich zu absolvieren. Da stellt sich dann aber schon die Frage inwiefern Trainingsnutzen und benötigte Regenerationszeit in angemessenen Verhältnis stehen.
Was ich jedoch zusätzlich zum normalen Lang-Ultramarathon-Training dann in den letzten acht Wochen der Vorbereitung einschieben werde, sind konsequente „low-pulse-Einheiten“. Was es damit auf sich hat und genauere Hintergründe zum 6-Tage-Lauf-Training, gibt es im nachfolgenden Video zu bewundern:

75km Ultratrail in Fethiye/Türkei

Zu Beginn des Jahres 2019 habe ich es mir fest auf die Fahne geschrieben, einfach mal ein paar andere Facetten des Ultramarathons zu erleben. Das schöne an diesem Sport ist ja, dass er so vielfältig ist und es auch abseits der klassischen Wettkampfdistanzen noch viel zu entdecken gibt.

So hat es sich auch sehr gut angeboten, die Einladung zum Ultratrail in Fethiye in der Türkei anzunehmen. 2018 „musste“ ich noch dankend ablehnen, da das damals etwas mit der 24h-Europameisterschaft in Rumänien, bzw. mit der Vorbereitung dafür kollidiert hat.

Dieses Jahr sollte dem kleinen Abenteuer jedoch nichts im Wege stehen und so ging es gemeinsam mit meiner Frau

Vorprogramm am Freitag
Vorprogramm am Freitag

Nicole zu dem Trip in die Türkei. Die Anreise lief dann gleich etwas anders ab als angedacht, da unser Flieger mit deutlicher Verspätung in Frankfurt abhob, so dass wir unseren Anschlussflug in Istanbul verpassten. Der neue Flughafen war erst seit wenigen Tagen geöffnet, so dass wir mehr oder weniger eine der ersten Passagiere waren. Im Übrigen sind das dort solch lange Wege, dass ich mir schon überlegt habe, unseren Marsch zum Service-Desk ins Trainingstagebuch einzutragen. Da es am selben Tag keinen Anschlussflug mehr gab, mussten wir also über Nacht bleiben. Hört sich auf den ersten Blick schlimmer an als das es war, denn gutes Hotel, inkl. Shuttleservice und ein anständiges Abendessen auf Kosten der Airline sind schon auch einigermaßen erträglich. Einziger Nachteil: Es ging schon mitten in der Nach wieder raus zum Flughafen. Vor einem 24h-Lauf wäre so eine zerrissene Nacht ärgerlich gewesen, so sah ich es recht entspannt und Donnerstag Vormittag kamen wir dann auch in Fethiye an. Dank des Shuttleservices von Orgachef der Veranstaltung, Rudolf, diesmal ziemlich unkompliziert und entspannt. Rudolf klingt jetzt nicht gerade nach einem türkischen Namen und so ist es auch, denn der Lauf wurde von einem ausgewanderten Deutschen ins Leben gerufen, was die Sache vor Ort auch recht unkompliziert gemacht hat. Ähnlich wie beim Spartathlon gibt es hier als Teilnehmer die Möglichkeit ein Paket zu buchen, in dem Hotel und Wettkampf integriert sind. Mit Blick auf Strand und Meer ließ es sich hier ziemlich gut aushalten.

Für Freitag standen nach einem kurzen Akklimatisationslauf schon etwas mehr Programmpunkte auf der Agenda. Das Briefing sollte im Zentrum von Fethiye stattfinden und ich wurde kurzfristig gebeten, im Rahmen dessen einen kleinen Vortrag mit anschließender Fragerunde zu halten. Folien oder dergleichen hatte ich natürlich keine dabei, aber kein Problem, es gibt ja genug zu erzählen. Das Ganze hat entsprechend auf Englisch stattgefunden und wurde direkt von einer Dolmetscherin ins Türkische übersetzt, so dass auch jeder die Möglichkeit hatte, Fragen zu stellen. Hat Spaß gemacht, sowohl mir als auch scheinbar den anderen Läufern. Da ich selbst natürlich nicht der türkischen Sprache mächtig bin und es auf der längsten Distanz über 75 km auch nicht viele Teilnehmer gab, hatte ich doch etwas Respekt davor, mich irgendwo in den Bergen zu verlaufen. Da das hier noch eine recht familiäre Veranstaltung ist, gab es auch keinen Track, dementsprechend hab ich bei Briefing aufgepasst wie ein Luchs.

Samstag früh sollte es also losgehen, gemeinsam mit den Startern über die 50-km-Distanz. Um nicht gleich schon falsch aus der Stadt rauszulaufen, hielt ich mich erstmal an eine Gruppe einheimischer Läufer. Erst nachdem wir an unserem Hotel bei Kilometer 5 vorbeiliefen und ich die folgenden Kilometer etwas kannte, habe ich ein klein wenig beschleunigt. Ein türkischer Läufer folgte mir, und so liefen wir uns langsam warm. Gut, warmlaufen war heute nicht wirklich erforderlich, denn in der Sonne war es doch schon nicht mehr wirklich frisch. So langsam hat es sich eingerollt und eigentlich fühlte ich mich recht wohl, bevor der Lauf vom entspannten Dahinrollen schnell zu einem kleinen Abenteuer wurde. Noch am Vortag des Laufes bin ich einen Teil der schon markierten Strecke abgelaufen. Leider genau 100 Meter vor einer Abzweigung auf eine Anhöhe bin ich wieder umgekehrt, da meine geplanten Trainingskilometer erreicht waren. Wäre ich noch die wenigen Meter weiter gelaufen, wäre mir möglicherweise die Abzweigung aufgefallen und am Wettkampftag hätte ich so schon Bescheid gewusst. So lief ich gemeinsam mit meinem türkischen Mitläufer und wunderte mich schon ein wenig, warum an einer kleinen Kreuzung keine Markierung zu sehen war. Ich schaute meinen Mitläufer an und er deutete geradeaus. Okay, im Zweifel geradeaus ist meist nicht so verkehrt, dachte ich mir noch. Leider deutete aber auch im weiteren Verlauf nichts auf eine Wettkampfmarkierung hin und spätestens als wir an eine viel befahrene Straße kamen war klar, dass wir auf dem falschen Weg waren. Das geht ja gut los, nach noch nicht einmal zehn gelaufenen Kilometern. Ich war froh, nicht alleine zu sein, auch wenn sich die Lagebesprechung aufgrund der Sprachbarriere schwierig gestaltete. Mein Kollege führte ein kurzes Telefonat und das ergab wohl, dass wir umkehren und in Richtung Strand laufen müssen. Der Umweg kostete uns etwa vier Extrakilometer. Insgeheim habe ich schon begonnen, die Gesamtdistanz hochzurechnen, wenn es so weitergeht mit dem Ergebnis, dass das hier noch ein recht langer Tag werden könnte. Egal, irgendwie werden wir schon ankommen. Später erfuhr ich, dass wir auf diesem Streckenabschnitt nicht die einzigen mit Schwierigkeiten waren, sondern sich auf unterschiedliche Art und Weise verlaufen wurde. Nach solch einem Verlaufer ist man ja geneigt, die Zeit wieder mit zügigerem Tempo reinzuholen. Dieses Unterfangen hat sich jedoch ganz schnell erledigt, denn nun folgten etwa vier Kilometer entlang des Strands. Gefühlt ging es hier nur im Schneckentempo weiter und ich machte mir zunehmend auch Sorgen um den Flüssigkeitshaushalt, denn meine Vorräte waren doch schon recht bald aufgebraucht. Nach der schier endlosen Strandpassage wurde der Checkpoint erreicht und ich beschloss, in Anbetracht des noch langen Tages, mir Zeit zu lassen und lieber anständige Verpflegung zu betreiben. Die folgenden Kilometer wurden immerhin deutlich einfacher. Es ging zwar immer leicht bergauf dem tiefen Taleinschnitt folgend, aber so langsam aber sicher habe ich meinen Rhythmus gefunden. Viele der Starter über die 50-Kilometer-Distanz sammelte ich nun wieder ein. Irgendwann stieg die Forststraße knackig an, bevor es oben angekommen sehr einsam wurde, da nun nur noch die wenigen Läufer über die 75-km-Distanz auf der Strecken waren. Wirklich flache Streckenabschnitte fand man nun selten. Ab und an ging es mal bergab, die allermeiste Zeit galt es jedoch Höhenmeter zu sammeln.

An einem Checkpoint in den Bergen wurde ich vom Betreuer des selbigen gewarnt, dass es gleich etwas nass werden könnte. Erst dachte ich mir nichts groß dabei, doch kaum um die Kurve gebogen, wusste ich was Sache ist. Vor mir erstreckte sich nämlich ein breiter Bach. Überspringen völlig utopisch, dafür müsste man schon mindestens die Quali zur nächsten Weitsprung-Weltmeisterschaft in der Tasche haben. Also ging es stockvoll durch glasklares eiskaltes Bergwasser – herrlich!

Der Abenteuerlauf ging weiter und zwar nach oben, meistens gut laufbar, aber in der aller Regel ansteigend weiter ins Tal-Ende. Durch einen unglücklichen Zufall – und eigene Unachtsamkeit – habe ich mich dann noch ein zweites Mal verlaufen. In einer Senke angekommen wurde ich von einem jungen Landwirt angesprochen und in einen kurzen Small-Talk verwickelt. Er empfahl mir das Quellwasser nur wenige Meter hinter der Kurve, wo ich meine Vorräte auffüllte. Unglücklicherweise zweigte genau an der Stelle des Gesprächs die Wettkampf-Route ab. Durch die Ablenkung habe ich das leider übersehen und bin etwas mehr als einen Kilometer in die falsche Richtung gelaufen, bis ich dann sicherheitshalber doch wieder an die besagte Stelle zurücklief. Nach einem letzten Anstieg kam ich an

Endlich geschafft!
Endlich geschafft!

eine wenig befahrene Straße, wo die Markierung bergab zeigte. So wie ich das Streckenprofil in Erinnerung hatte, musste nun auch der höchste Punkt der Kurses erreicht sein. Zum Glück war ich mit der Vermutung nicht falsch gelegen, denn von nun an ging es kilometerweit nur bergab. Immer der asphaltierten Straße folgend, wo man es richtig gut laufen lassen konnte. Andere Läufer habe ich schon lange nicht mehr gesehen, aber immerhin ich war auf dem richtigen Weg, denn nun habe ich bei jeder möglichen Abbiegung wirklich aufgepasst wie ein Luchs. Nach etwa 55 Kilometern erreichte ich wieder einen Checkpoint. Ich ließ mir Zeit, dafür war das Obst einfach zu lecker, und so langsam war es doch ganz schön warm geworden. Es ging weiter bergab und bei der Überquerung der großen Bundesstraße galt es nochmal konzentriert zu bleiben, um den richtigen Abzweig zu erwischen. Durch meine beiden Zusatzschleifen konnte ich kaum einschätzen, wie weit es jetzt tatsächlich noch bis zum Ziel ist. Das hat sich jedoch schlagartig geändert, als ich die Strecken vom Hinweg wieder erkannte. Nun war ich wieder auf dem Pendelstück, welches den Rückweg nach Fethiye darstellt. Perfekt, nur noch runter an den Strand und dann sind es lediglich 14 km, die bewältigt werden müssen. Gut, auf den Strandlauf durch Kies und Sand war ich nun mit zunehmender Müdigkeit nicht mehr so wirklich scharf. Ich habe das Problem aber in soweit umgehen können, in dem ich ganz nah am Wasser lief, wo der feuchte Sand nicht so tief war. Dies bedeutete als Kehrseite jedoch, dass meine Schuhe nicht trocken bleiben sollten, da ich nicht allen Wellen ausweichen konnte. Nicht so schlimm, der Weg ist ja nicht mehr weit und wirklich trocken waren die Schuhe nach der Bachüberquerung in den Bergen ja so oder so nicht mehr geworden.

Die letzten Kilometer waren dann keine große Hürde mehr und ich konnte nochmal deutlich beschleunigen. So

Ein Souvenir für Zuhause gab es auch
Ein Souvenir für Zuhause gab es auch

erreichte ich in der Nachmittagssonne, als erster der wenigen Läufer über die 75-km-Distanz, das Ziel auf dem Marktplatz.

Fazit: Es hat ungemein Spaß gemacht, die Landschaft rund um Fethyie kennenzulernen! Langweilig wurde es eigentlich nie, denn die Umgebung änderte sich immer wieder komplett. Einerseits die Stadt, die Strandpromenade mit ihren Touristen, und dann auf der anderen Seite diese Abgeschiedenheit in den Bergen, wo ich über Stunden kaum einem Menschen begegnet bin. Der Lauf war ein Abenteuer der etwas anderen Art!

Nach dem Lauf blieben zum Glück noch ein paar Tage, um die Sonne zu genießen. Gemeinsam mit einigen anderen Teilnehmern haben wir die Zeit genossen und einige Ausflüge unternommen.

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