Projekt 6-Tage-Lauf #3: Terminverschiebung des Wettkampfs

Wie zu erwarten kann der 6-Tage-Lauf nicht am 7.5.20 starten. Zum Glück wurde die Veranstaltung aber noch nicht abgesagt, sondern in den Herbst verlegt. Man kann nur hoffen, dass sich die Lage in Sachen Corona entspannt, so dass der 6-Tage-Lauf dann Ende September auch tatsächlich stattfinden kann. Natürlich ist die Terminverschiebung ärgerlich, da sich ja sicherlich alle Teilnehmer schon intensiv in der Vorbereitung befunden haben. Auf der anderen Seite ist die Entscheidung natürlich zu 100% nachvollziehbar, bzw. sie war ja eigentlich auch völlig alternativlos gewesen. Ich werde versuchen das beste aus der Situation zu machen und die Zeit möglichst sinnvoll nutzen.

Was die Verlegung insbesondere auch für meine Vorbereitung zu bedeuten hat, erfahrt Ihr im nachfolgenden Video:

Mit der NIEMALS-AUFGEBEN-MENTALITÄT durch die Corona-Krise!

Wir leben aktuell in nicht ganz einfachen Zeiten. Mit meinem Videobeitrag aus der Reihe „Ultramarathonexperte“ möchte ich anderen Menschen Mut machen, um die aktuelle Situation auch ein klein wenig als Chance zu wahrzunehmen – sowohl für das Laufen, als auch außerhalb dessen!

Projekt 6-Tage-Lauf #2: Trainingskonzept

Ein nicht ganz unwesentlicher Teil der Vorbereitung ist natürlich das läuferische Training an sich. Eigentlich ist dieser Part aber für mich selbst fast der unspektakulärste. Im Großen und Ganzen werde ich mich bei meiner Vorbereitung an einem klassischen 24-h-Lauf-Training orientieren und das kenne ich ja ganz gut. In Sachen Training möchte ich es ehrlich gesagt nicht ganz so verbissen angehen (wie das vielleicht manchmal früher der Fall war), denn ich möchte das Ganze ja in erster Linie als Ultramarathon-Abenteuer mit Lerneffekt zu verstehen wissen. Ein gewisses Konzept ist natürlich trotzdem von Nöten.
So ganz isoliert darf man solch eine Vorbereitung natürlich nicht sehen, stattdessen geht es um den Gesamtkontext in dem das Training stattfindet. Das heißt, der Zeithorizont der Vorbereitung geht weiter als über die letzten drei Monate vor dem Highlight in Ungarn hinaus. Die Idee, in 2020 den 6-Tage-Lauf in Angriff zu nehmen, trage ich ja schon länger mit mir herum. Dementsprechend habe ich das auch schon im letzten Viertel des Jahres 2019 berücksichtigt.
Soll heißen, im Sinne von „vom Unspezifischen zum Spezifischen“ ging es noch nicht so wirklich darum, Kilometer ohne Ende abzureißen. Zugegebenermaßen hätte ich da auch nicht die Zeit dazu gehabt. Stattdessen habe ich tendenziell eher unspezifisch trainiert. Mein Plan war es, ein wenig an den kurzen Strecken zu arbeiten. So ganz umsetzen konnte ich das nicht, da ich recht eingespannt war. Was jedoch gut funktioniert hat, war es, wie geplant auch mehr an der Kraftausdauerkomponente, mittels Einbau von Höhenmetern zu feilen.
Oft wird in der Vorbereitung auf solch einen Mehrtagelauf auch schon ein langer Ultramarathon-Wettkampf in die letzten Monate der Vorbereitung eingebaut. Ich habe mich jedoch ganz bewusst dagegen entschieden, da ich mir die mentale Frische für das Projekt 6-Tage-Lauf aufrecht erhalten möchte. Aus meiner Erfahrung weiß ich, wie ermattend diese ganz langen Läufe über mehr als 200 km sein können. Dementsprechend habe ich für mich entschieden, dass ich solch einen Lauf nicht einbaue, auch wenn ich es rein physiologisch bei angepasstem Renntempo sicherlich auch rechtzeitig regeneriert bekommen hätte. Stattdessen werde ich bei der Deutschen Meisterschaft im 100km-Lauf am Start sein.
Dementsprechend wird der längste Lauf der Vorbereitung auch nicht länger als eben diese 100km sein. Im Vergleich zu dem was dann im Zielwettkampf gelaufen werden soll, ist das mehr oder weniger nur eine „Kurzstrecke“. Meiner Meinung nach macht es aber wenig Sinn, das Training in einen Bereich zu bringen, in dem es vom Körper nicht entsprechend gewinnbringend „verarbeitet“ werden kann. Es ist zwar verlockend im Hinblick auf die im Wettkampf zu laufende Distanz auch im Training schon etliche Läufe im dreistelligen Kilometerbereich zu absolvieren. Da stellt sich dann aber schon die Frage inwiefern Trainingsnutzen und benötigte Regenerationszeit in angemessenen Verhältnis stehen.
Was ich jedoch zusätzlich zum normalen Lang-Ultramarathon-Training dann in den letzten acht Wochen der Vorbereitung einschieben werde, sind konsequente „low-pulse-Einheiten“. Was es damit auf sich hat und genauere Hintergründe zum 6-Tage-Lauf-Training, gibt es im nachfolgenden Video zu bewundern:

Projekt 6-Tage-Lauf – #1: Vorstellung des Projekts, Intention und Motivation

Manche Dinge muss man einfach irgendwann mal machen! Vor allem, wenn man eine Idee schon fast 14 Jahre lang mit sich rumträgt. Im Mai werde ich in Ungarn beim 6-Tage-Lauf teilnehmen.
Angefangen mit Ultramarathon habe ich 2003 ganz klassisch mit dem 100-km-Lauf in Biel, so richtig los ging das Ganze dann erst ab 2006. Zu der damaligen Zeit hatte ich nach den ersten 24-h-Läufen die Intention, relativ zeitnah auch mal an einem 6-Tage-Lauf teilzunehmen. Mit zunehmendem Leistungsfortschritt bin ich aber dann erstmal an den 24 h hängen geblieben, um dann ja auch eine internationale Karriere zu starten (die Spartathlons zähle ich aufgrund des teilnehmenden Klientels auch in diese Kategorie mit hinein). Da das ja nun nicht mehr ganz oben auf der Agenda steht, ist das nun ein nahezu perfekter Zeitpunkt, um den Plan, einen 6-Tage-Lauf unter die Füße zu nehmen, wahr werden zu lassen.
Ganz so leicht ist mir die Entscheidung jedoch nicht gefallen. Über Wochen hinweg habe ich hin und her überlegt. Teilweise bin ich auch nachts zu den unmöglichsten Zeiten gelaufen – nicht nur, aber auch, um auszutesten, wie gut das Laufen auch zu für den Biorhythmus ungewohnten Zeiten funktioniert. Gut, prinzipiell kenne ich das ja schon von vielen anderen Ultraläufen, aber im Wettkampf, bei 24 h, wo man dann auch voller Adrenalin ist, fällt es natürlich auch deutlich leichter.
Ich sehe das „Projekt 6-Tage-Lauf“ insbesondere als ein großes mentales Abenteuer an. Ich möchte in erster Linie herausfinden, was passiert, wenn man solch einen langen Ultralauf absolviert. Welche Herausforderungen werden auftreten? wie kann ich das Projekt möglichst gut absolvieren? Was wird es mit mir selbst machen – gerade auch im Nachhinein?
Ich bin mir sicher, dass ich mit dieser für mich komplett neuen Erfahrung vieles neues Lernen werde. Vielleicht werde ich so etwas danach nie wieder machen, doch ich glaube, es lohnt sich, diesen Weg zu gehen.
Mit vielen Aspekten setze ich mich im Vorfeld des Laufs noch intensiv auseinander. Meine Erfahrung aus nun schon fast 17 Jahren Ultramarathon wird mir sicherlich zu Gute kommen, doch vieles werde ich für dieses Projekt selbst erst noch lernen müssen. Rennstrategie, Schlafstrategie, Ernährungsstrategie – all das sind Aspekte, die natürlich bei solch einem Mehrtageslauf eine ganz eigene Dimension haben. Wer Lust hat, darf mich auf dieser spannenden Reise gerne begleiten, denn meine Gedanken und Erfahrungen rund um das Projekt werde ich hier in unregelmäßigen Abständen dokumentieren.

Ausführlicher gehe ich auf meine Teilnahme beim 6-Tage-Lauf und die damit verbundene Intention und Motivation im ersten Video ein:

Mozart100 Ultratrail (112km)

Einfach mal was anderes ausprobieren und ganz neue Erlebnisse und Erfahrungen im breiten Feld des Ultramarathons machen – das war meine Intention für die Planung des Laufjahres 2019. So habe ich schon in der ruhigen Zeit zwischen den Jahren den Ultralaufkalender gescannt, mit dem Ziel einen Ultratrail mit einer Distanz von mindestens 100 km für mich zu entdecken. Na gut, so ganz neu ist das jetzt auch wieder nicht, den Chiemgau 100er bin ich zum Beispiel schon im Jahre 2007, also vor zwölf Jahren, mitgelaufen. Lange habe ich hin und her überlegt, auf welche Veranstaltung meine Wahl fällt, um dann für den Mozart100 das Anmeldeformular auszufüllen. Dazu motiviert hat mich auch ein Athlet aus meinen Laufcoachings (Danke Christian, Du hast mir das also eingebrockt), der nur Gutes über den Mozart100 zu berichten wusste.
Nur Gutes habe auch ich von dem Lauf zu berichten! Ich habe aber auch zu berichten, dass es verdammt anstrengend war.

So ein richtig strukturiertes Training war das im Vorfeld sicher nicht, musste es aber auch nicht sein. Ich bin in erster Linie angereist, um etwas zu erleben. Zu erleben gab es am Anreisetag vor allem eine Affenhitze, sodass beim Warten auf das Briefing im Salzburger Zentrum Schattenplätze äußerst beliebt waren. Die zu erwartenden Temperaturen und das Streckenprofil ließen jedoch einen anstrengenden Tag erwarten, der insbesondere schon sehr früh starten sollte.
Da der Startschuss schon um 5:00 Uhr erfolgen sollte und ich meine Unterkunft ein ganzes Stück außerhalb von Salzburg hatte, klingelte schon um 2:30 Uhr mein Wecker. Zum Glück habe ich ihn nicht überhört, was im Vorfeld ein wenig meine Sorge war.

Es war schon ein tolles Flair, als aus sämtlichen Seitengassen Menschen in Trail-Ausrüstung zum Kapitelplatz zusammenströmten, wo Start und Ziel des Laufs positioniert waren. Nach dem Startschuss lies ich es auch erstmal relativ gemächlich angehen. Es war irgendwie selbst um diese Uhrzeit sehr schwül. Überrascht war ich über die internationale Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes, was sicherlich mit der Tatsache zusammenhängt, dass der Lauf mittlerweile Teil der Ultratrail-Worldtour ist. Nach gut einer Stunde wurde der erste Verpflegungspunkt erreicht, ich musste hier unbedingt meine Vorräte auffüllen, da ich recht „leer“ losgelaufen bin. Das hat sich nur als etwas schwierig gestaltet, da an dem langsam laufenden Trinkwasser-Brunnen der Andrang im noch dichten Teilnehmerfeld doch recht groß war. Halb so wild – auf eine halbe Minute rauf oder runter wird es heute nicht ankommen. Weiter ging es in Richtung Fuschl am See, über hügeliges Gelände, was allerdings nur ein sehr humaner Vorgeschmack auf das, was noch auf uns zukommen sollte, darstellte. So richtig wohl habe ich mich dennoch noch nicht gefühlt. Es lief irgendwie noch nicht so richtig rund und wirklich wach war ich auch noch nicht. Das änderte sich erst, nachdem wir den großen Checkpoint in Fuschl am See erreichten. Fuschl ist so etwas wie ein Etappenziel, welches den Lauf in drei Abschnitte teilt, denn hier kommt man zwei Mal vorbei – nämlich nach 31 und nach 80 Kilometern. Deshalb hat es sich auch wunderbar angeboten, die Stöcke, welche zur Unterstützung im profilierten Gelände dienen sollten, hier zu deponieren. Für den relativ einfachen Hin- und Rückweg von, bzw. nach Salzburg, wären sie nur unnötiger Ballast gewesen. Eigentlich geht der Lauf auch erst nach Fuschl so richtig los. So langsam aber sicher wurde ich auch wacher. Gleichzeitig wurde es aber auch immer wärmer. Da es nach Fuschl mehr als 14 km dauern sollte, bis der Checkpoint kommt, füllte ich mir beide 0,5-Liter-Flaschen komplett mit Wasser voll. Eigentlich sollte ein Liter für diese Distanz problemlos reichen. Mit zunehmender Hitze überkam mich jedoch solch ein Durst, dass ich schon frühzeitig mit einem sehr sparsamen Verbrauch begann. Ich kenne dieses Phänomen aus vielen Trainingsläufen – wenn man sich erst einmal in einem dehydrierten Zustand befindet, kommt man da auch trotz ständigem Nachfüllen so schnell nicht wieder raus. Also habe ich mich irgendwie zur nächsten Labestation in Winkl durchgeschleppt. Ein Genuss war das Laufen nun nicht mehr. Unten im Tal angekommen, habe ich mir sehr viel Zeit für Verpflegung und Abkühlen mittels Wasserschlauch genommen, denn es galt die Kräfte für den Anstieg zur Schafbergalm wieder zu sammeln. Erfreulicherweise hat das einigermaßen gut funktioniert und so hat es auch wieder deutlich mehr Spaß gemacht und die Strecke bis Kilometer 61 in St. Gilgen konnte ich wieder richtig genießen. Auch hier habe ich mir wieder richtig viel Zeit gelassen und auch das ein oder andere Schwätzchen am Verpflegungsstand gehalten. Viel härter als den ersten großen Anstieg hinauf zur Schafbergalm, empfand ich nun den Anstieg zum Zwölferhorn, was mit 1520 Metern auch die höchste Erhebung des Laufs darstellt. Glücklicherweise war ich im Anstieg nicht alleine, stattdessen schleppte ich mich gemeinsam mit einem Läufer vom Bodensee in Richtung Gipfel. Zwischendurch dachten wir, der höchste Punkt sei schon erreicht, um dann eines Besseren belehrt zu werden. Das was wir zu dem Zeitpunkt hinter uns gebracht hatten, war bestenfalls vielleicht die Hälfte des Anstiegs! Wie immer bei diesem Lauf hatte ich den Aufenthalt am Checkpoint in aller Ruhe genossen. Mein Mitläufer lief schon mal los, doch auf dem steilen Bergab-Passagen habe ich ihn zeitnah wieder ein- und überholt. Bis nach Fuschl ging es jetzt mehr oder weniger nur noch bergab, so dass man sich bis Kilometer 77 wieder ganz gut erholen konnte. Ich war froh, endlich die Stöcke deponieren zu können, am liebsten hätte ich auch den Rucksack abgelegt. Das Mitschleppen der Ausrüstung ist echt der große Nachteil am Trailrunning. Es ging deutlich unspektakulärer und vergleichsweise eben dahin. Dafür ist man nun auch schneller dem Ziel näher gekommen. Spektakulärer wurde stattdessen das Wetter, den es zog sich mehr und mehr zu und das Donnergrollen kam merklich näher. Irgendwann war es dann soweit und wir wurden heftig geduscht. Eigentlich ganz angenehm, aber der Wald ist vielleicht nicht unbedingt der Aufenthaltsort während eines Gewitters. Auch das ging vorüber uns so waren die letzten Kilometer hinein nach Salzburg auch nur noch Formsache. Das Ziel bei Kilometer 112 erreichte ich nach etwa 15 Stunden als 39. Mann. So ging ein schöner, aber anstrengender Tag zu ende.
Für mich war es eine (schöne) neue Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich werde sicherlich auch weiterhin auch immer mal wieder einen Ausflug auf die Trails wagen, wobei mich der Ultramarathon auf der Straße schon irgendwie mehr fasziniert, da man eine höhere Vergleichbarkeit hat und man durchgehend im Laufschritt bleibt, was bei langen Ultratrails kaum möglich ist.

Hier auch noch ein paar Impressionen vom Lauf:

75km Ultratrail in Fethiye/Türkei

Zu Beginn des Jahres 2019 habe ich es mir fest auf die Fahne geschrieben, einfach mal ein paar andere Facetten des Ultramarathons zu erleben. Das schöne an diesem Sport ist ja, dass er so vielfältig ist und es auch abseits der klassischen Wettkampfdistanzen noch viel zu entdecken gibt.

So hat es sich auch sehr gut angeboten, die Einladung zum Ultratrail in Fethiye in der Türkei anzunehmen. 2018 „musste“ ich noch dankend ablehnen, da das damals etwas mit der 24h-Europameisterschaft in Rumänien, bzw. mit der Vorbereitung dafür kollidiert hat.

Dieses Jahr sollte dem kleinen Abenteuer jedoch nichts im Wege stehen und so ging es gemeinsam mit meiner Frau

Vorprogramm am Freitag
Vorprogramm am Freitag

Nicole zu dem Trip in die Türkei. Die Anreise lief dann gleich etwas anders ab als angedacht, da unser Flieger mit deutlicher Verspätung in Frankfurt abhob, so dass wir unseren Anschlussflug in Istanbul verpassten. Der neue Flughafen war erst seit wenigen Tagen geöffnet, so dass wir mehr oder weniger eine der ersten Passagiere waren. Im Übrigen sind das dort solch lange Wege, dass ich mir schon überlegt habe, unseren Marsch zum Service-Desk ins Trainingstagebuch einzutragen. Da es am selben Tag keinen Anschlussflug mehr gab, mussten wir also über Nacht bleiben. Hört sich auf den ersten Blick schlimmer an als das es war, denn gutes Hotel, inkl. Shuttleservice und ein anständiges Abendessen auf Kosten der Airline sind schon auch einigermaßen erträglich. Einziger Nachteil: Es ging schon mitten in der Nach wieder raus zum Flughafen. Vor einem 24h-Lauf wäre so eine zerrissene Nacht ärgerlich gewesen, so sah ich es recht entspannt und Donnerstag Vormittag kamen wir dann auch in Fethiye an. Dank des Shuttleservices von Orgachef der Veranstaltung, Rudolf, diesmal ziemlich unkompliziert und entspannt. Rudolf klingt jetzt nicht gerade nach einem türkischen Namen und so ist es auch, denn der Lauf wurde von einem ausgewanderten Deutschen ins Leben gerufen, was die Sache vor Ort auch recht unkompliziert gemacht hat. Ähnlich wie beim Spartathlon gibt es hier als Teilnehmer die Möglichkeit ein Paket zu buchen, in dem Hotel und Wettkampf integriert sind. Mit Blick auf Strand und Meer ließ es sich hier ziemlich gut aushalten.

Für Freitag standen nach einem kurzen Akklimatisationslauf schon etwas mehr Programmpunkte auf der Agenda. Das Briefing sollte im Zentrum von Fethiye stattfinden und ich wurde kurzfristig gebeten, im Rahmen dessen einen kleinen Vortrag mit anschließender Fragerunde zu halten. Folien oder dergleichen hatte ich natürlich keine dabei, aber kein Problem, es gibt ja genug zu erzählen. Das Ganze hat entsprechend auf Englisch stattgefunden und wurde direkt von einer Dolmetscherin ins Türkische übersetzt, so dass auch jeder die Möglichkeit hatte, Fragen zu stellen. Hat Spaß gemacht, sowohl mir als auch scheinbar den anderen Läufern. Da ich selbst natürlich nicht der türkischen Sprache mächtig bin und es auf der längsten Distanz über 75 km auch nicht viele Teilnehmer gab, hatte ich doch etwas Respekt davor, mich irgendwo in den Bergen zu verlaufen. Da das hier noch eine recht familiäre Veranstaltung ist, gab es auch keinen Track, dementsprechend hab ich bei Briefing aufgepasst wie ein Luchs.

Samstag früh sollte es also losgehen, gemeinsam mit den Startern über die 50-km-Distanz. Um nicht gleich schon falsch aus der Stadt rauszulaufen, hielt ich mich erstmal an eine Gruppe einheimischer Läufer. Erst nachdem wir an unserem Hotel bei Kilometer 5 vorbeiliefen und ich die folgenden Kilometer etwas kannte, habe ich ein klein wenig beschleunigt. Ein türkischer Läufer folgte mir, und so liefen wir uns langsam warm. Gut, warmlaufen war heute nicht wirklich erforderlich, denn in der Sonne war es doch schon nicht mehr wirklich frisch. So langsam hat es sich eingerollt und eigentlich fühlte ich mich recht wohl, bevor der Lauf vom entspannten Dahinrollen schnell zu einem kleinen Abenteuer wurde. Noch am Vortag des Laufes bin ich einen Teil der schon markierten Strecke abgelaufen. Leider genau 100 Meter vor einer Abzweigung auf eine Anhöhe bin ich wieder umgekehrt, da meine geplanten Trainingskilometer erreicht waren. Wäre ich noch die wenigen Meter weiter gelaufen, wäre mir möglicherweise die Abzweigung aufgefallen und am Wettkampftag hätte ich so schon Bescheid gewusst. So lief ich gemeinsam mit meinem türkischen Mitläufer und wunderte mich schon ein wenig, warum an einer kleinen Kreuzung keine Markierung zu sehen war. Ich schaute meinen Mitläufer an und er deutete geradeaus. Okay, im Zweifel geradeaus ist meist nicht so verkehrt, dachte ich mir noch. Leider deutete aber auch im weiteren Verlauf nichts auf eine Wettkampfmarkierung hin und spätestens als wir an eine viel befahrene Straße kamen war klar, dass wir auf dem falschen Weg waren. Das geht ja gut los, nach noch nicht einmal zehn gelaufenen Kilometern. Ich war froh, nicht alleine zu sein, auch wenn sich die Lagebesprechung aufgrund der Sprachbarriere schwierig gestaltete. Mein Kollege führte ein kurzes Telefonat und das ergab wohl, dass wir umkehren und in Richtung Strand laufen müssen. Der Umweg kostete uns etwa vier Extrakilometer. Insgeheim habe ich schon begonnen, die Gesamtdistanz hochzurechnen, wenn es so weitergeht mit dem Ergebnis, dass das hier noch ein recht langer Tag werden könnte. Egal, irgendwie werden wir schon ankommen. Später erfuhr ich, dass wir auf diesem Streckenabschnitt nicht die einzigen mit Schwierigkeiten waren, sondern sich auf unterschiedliche Art und Weise verlaufen wurde. Nach solch einem Verlaufer ist man ja geneigt, die Zeit wieder mit zügigerem Tempo reinzuholen. Dieses Unterfangen hat sich jedoch ganz schnell erledigt, denn nun folgten etwa vier Kilometer entlang des Strands. Gefühlt ging es hier nur im Schneckentempo weiter und ich machte mir zunehmend auch Sorgen um den Flüssigkeitshaushalt, denn meine Vorräte waren doch schon recht bald aufgebraucht. Nach der schier endlosen Strandpassage wurde der Checkpoint erreicht und ich beschloss, in Anbetracht des noch langen Tages, mir Zeit zu lassen und lieber anständige Verpflegung zu betreiben. Die folgenden Kilometer wurden immerhin deutlich einfacher. Es ging zwar immer leicht bergauf dem tiefen Taleinschnitt folgend, aber so langsam aber sicher habe ich meinen Rhythmus gefunden. Viele der Starter über die 50-Kilometer-Distanz sammelte ich nun wieder ein. Irgendwann stieg die Forststraße knackig an, bevor es oben angekommen sehr einsam wurde, da nun nur noch die wenigen Läufer über die 75-km-Distanz auf der Strecken waren. Wirklich flache Streckenabschnitte fand man nun selten. Ab und an ging es mal bergab, die allermeiste Zeit galt es jedoch Höhenmeter zu sammeln.

An einem Checkpoint in den Bergen wurde ich vom Betreuer des selbigen gewarnt, dass es gleich etwas nass werden könnte. Erst dachte ich mir nichts groß dabei, doch kaum um die Kurve gebogen, wusste ich was Sache ist. Vor mir erstreckte sich nämlich ein breiter Bach. Überspringen völlig utopisch, dafür müsste man schon mindestens die Quali zur nächsten Weitsprung-Weltmeisterschaft in der Tasche haben. Also ging es stockvoll durch glasklares eiskaltes Bergwasser – herrlich!

Der Abenteuerlauf ging weiter und zwar nach oben, meistens gut laufbar, aber in der aller Regel ansteigend weiter ins Tal-Ende. Durch einen unglücklichen Zufall – und eigene Unachtsamkeit – habe ich mich dann noch ein zweites Mal verlaufen. In einer Senke angekommen wurde ich von einem jungen Landwirt angesprochen und in einen kurzen Small-Talk verwickelt. Er empfahl mir das Quellwasser nur wenige Meter hinter der Kurve, wo ich meine Vorräte auffüllte. Unglücklicherweise zweigte genau an der Stelle des Gesprächs die Wettkampf-Route ab. Durch die Ablenkung habe ich das leider übersehen und bin etwas mehr als einen Kilometer in die falsche Richtung gelaufen, bis ich dann sicherheitshalber doch wieder an die besagte Stelle zurücklief. Nach einem letzten Anstieg kam ich an

Endlich geschafft!
Endlich geschafft!

eine wenig befahrene Straße, wo die Markierung bergab zeigte. So wie ich das Streckenprofil in Erinnerung hatte, musste nun auch der höchste Punkt der Kurses erreicht sein. Zum Glück war ich mit der Vermutung nicht falsch gelegen, denn von nun an ging es kilometerweit nur bergab. Immer der asphaltierten Straße folgend, wo man es richtig gut laufen lassen konnte. Andere Läufer habe ich schon lange nicht mehr gesehen, aber immerhin ich war auf dem richtigen Weg, denn nun habe ich bei jeder möglichen Abbiegung wirklich aufgepasst wie ein Luchs. Nach etwa 55 Kilometern erreichte ich wieder einen Checkpoint. Ich ließ mir Zeit, dafür war das Obst einfach zu lecker, und so langsam war es doch ganz schön warm geworden. Es ging weiter bergab und bei der Überquerung der großen Bundesstraße galt es nochmal konzentriert zu bleiben, um den richtigen Abzweig zu erwischen. Durch meine beiden Zusatzschleifen konnte ich kaum einschätzen, wie weit es jetzt tatsächlich noch bis zum Ziel ist. Das hat sich jedoch schlagartig geändert, als ich die Strecken vom Hinweg wieder erkannte. Nun war ich wieder auf dem Pendelstück, welches den Rückweg nach Fethiye darstellt. Perfekt, nur noch runter an den Strand und dann sind es lediglich 14 km, die bewältigt werden müssen. Gut, auf den Strandlauf durch Kies und Sand war ich nun mit zunehmender Müdigkeit nicht mehr so wirklich scharf. Ich habe das Problem aber in soweit umgehen können, in dem ich ganz nah am Wasser lief, wo der feuchte Sand nicht so tief war. Dies bedeutete als Kehrseite jedoch, dass meine Schuhe nicht trocken bleiben sollten, da ich nicht allen Wellen ausweichen konnte. Nicht so schlimm, der Weg ist ja nicht mehr weit und wirklich trocken waren die Schuhe nach der Bachüberquerung in den Bergen ja so oder so nicht mehr geworden.

Die letzten Kilometer waren dann keine große Hürde mehr und ich konnte nochmal deutlich beschleunigen. So

Ein Souvenir für Zuhause gab es auch
Ein Souvenir für Zuhause gab es auch

erreichte ich in der Nachmittagssonne, als erster der wenigen Läufer über die 75-km-Distanz, das Ziel auf dem Marktplatz.

Fazit: Es hat ungemein Spaß gemacht, die Landschaft rund um Fethyie kennenzulernen! Langweilig wurde es eigentlich nie, denn die Umgebung änderte sich immer wieder komplett. Einerseits die Stadt, die Strandpromenade mit ihren Touristen, und dann auf der anderen Seite diese Abgeschiedenheit in den Bergen, wo ich über Stunden kaum einem Menschen begegnet bin. Der Lauf war ein Abenteuer der etwas anderen Art!

Nach dem Lauf blieben zum Glück noch ein paar Tage, um die Sonne zu genießen. Gemeinsam mit einigen anderen Teilnehmern haben wir die Zeit genossen und einige Ausflüge unternommen.

3. Platz mit der LG Würzburg bei der 50km-DM

Dadurch, dass mein Fokus in den letzten Jahren immer auf internationale 24h-Meisterschaften oder dem Spartathlon gelegen war, gab es nicht mehr so arg viel Raum für andere kleinere und größere Laufabenteuer. So konnte ich bei nationalen Ultramarathon…

Continue reading