Vollreife und gesunde Trauben sind mein Ziel
Bei meiner Arbeit habe ich manchmal auch Zuschauer
Akribische Laubarbeit bei der jeder einzelne Trieb gerade gestellt wurde

Was ist mein „Wein-Projekt“ überhaupt? Bevor es mit meinen leistungssportlichen Ambitionen so richtig zur Sache ging und sich das mit dem Training nicht mehr so recht vereinbaren ließ, habe ich mit meiner zweiten Leidenschaft „Wein“ gearbeitet. Gelernt habe ich das Handwerk damals u.a. in den weltweit renommierten Betrieben Weingut Fürst und Klaus-Peter Keller, dessen Wein sogar bei Feierlichkeiten im Buckingham Palace ausgeschenkt wird. Im Anschluss erlangte ich den Meisterbrief und arbeitete, bevor es sportlich so richtig eskaliert ist, ein paar Jahre lang als Kellermeister. Danach war dann ja erst mal das Projekt „vom Kellermeister zum Weltmeister!“ angesagt.
Nachdem ich schon im Sommer 2017 für mich selbst entschieden habe, die Karriere im Nationalteam zu beenden, war klar, dass es nun an der Zeit ist, meine Ideen für eigene Projekte, die ich schon lange im Kopf hatte, in die Tat umzusetzen. Neben meinen anderen Projekten im Kontext von Ultramarathon, wurde es also Zeit, mich auch der Leidenschaft „Wein“ zu widmen. Mein Ziel war es nun, eine kleine Rebfläche zu finden, die von der Ausgangsstellung möglichst spannend ist. Kurzum, ich habe in der fränkischen Heimat nach einem Weinberg mit möglichst alten Reben gesucht, da sie in der Regel die spannendsten Weine hervorbringen. Ende des Jahres 2017 wurde ich dann auch fündig und mir war es möglich, in der Gemeinde Mainstockheim einen richtig alten Weinberg zu pachten. Mit fast 90 Jahren sind die Reben genau gesagt die ältesten in der ganzen Umgebung! Die Hauptrebsorte ist – wie es sich für Franken gehört – der Silvaner, es stehen aber auch noch drei, vier andere Rebsorten mit in der Anlage, denn das war früher zwecks Risikostreuung beim Pflanzen so üblich. Ursprünglich war das wohl auch mal ein Weinberg mit traditioneller Einzelstockerziehung, bis im Laufe der Jahre eine Drahtanlage etabliert wurde. Logischerweise kann man bei so alten Reben nicht mit großen Erträgen rechnen, dafür ist das Potential für Top Qualitäten, umso höher. Also genau das was ich will! Das Pressen der Trauben erfolgt dann – um dem Anspruch der Ursprünglichkeit auch vollends gerecht zu werden – mit Hilfe einer von mir selbst restaurierten traditionellen Holzkelter. Den Weins baue ich in Randersacker aus – in dem Keller in dem auch meine Großeltern schon früher vor vielen Jahren ihren Wein ausgebaut hatten.
Mein Ziel und mein Anspruch ist es, zu schauen, ob sich die Mentalität, welche mich im Ultramarathon an die Weltspitze geführt hat, eins zu eins in das Wein-Projekt übertragen lässt. Was meine ich damit?
Um im Ultramarathon große Ziele zu erreichen, ist es im Gegensatz zu manch anderen Sportarten nicht entscheidend, ob Du das beste Equipment hast, selbst mangelndes Talent kann man in solch einer langen Disziplin bis zu einen gewissen Grad halbwegs kompensieren. Stattdessen zählen Herz, Leidenschaft und auch ein bisschen Maloche. Geduld und Demut sind darüber hinaus unerlässliche Begleiter auf dem Weg zu großen Zielen in diesem Sport. Auch aufgrund der gemachten Erfahrungen meiner Zeit in Spitzenbetrieben, habe ich die Überzeugung, dass diese Denkweise auch die Grundlage ist, um das bestmögliche aus dem Weinberg herauszuholen. Um genau diesem Anspruch, „das Beste rausholen“, gerecht zu werden, ist bei mir dementsprechend vor allem eines angesagt – Handarbeit! Konkret heißt das beispielsweise: Aufwendige Laubarbeiten, mit zusätzlicher Ertragsreduzierung. Jeden einzelnen Trieb gerade stellen, um eine optimale Belichtung und Abtrocknung zu gewährleisten. Unkrauthacke, statt Herbizid, um das Bodenleben zu schonen und für gute Wasserversorgung durch Zerschlagen der Verdunstungskapillare zu sorgen. Die Liste ließe sich noch weit fortführen.
Wie man aus dem Text sicher schon herauslesen kann – hier steckt ganz viel Liebe und Leidenschaft drin, eben genau so wie im Ultramarathon! Ob das wieder zu ausgezeichneten Ergebnissen führt? Lasst Euch überraschen…

Die Ergebnisse meiner Arbeit werde ich auch im Rahmen meiner Events „Florian Reus on Tour“ präsentieren.