Meine "Läufer-DNA":
Niemals-Aufgaben-Mentalität

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Neben meiner Besessenheit für große Ziele, hat sich für mich ein weiterer Aspekt über die Jahre als sehr prägend auf mein Leben als Läufer, und auch darüber hinaus, ausgewirkt. Gemeint ist an dieser Stelle die Niemals-Aufgeben-Mentalität. „Niemals-Aufgeben“ klingt natürlich zunächst erstmal sehr martialisch und unfehlbar, inhaltlich soll es das aber überhaupt nicht sein. Selbstverständlich habe auch ich schon an manchen Tagen aufgegeben und vielleicht auch mal resigniert. Bei der Niemals-Aufgeben-Mentalität in meinem Verständnis, bzw. wie ich sie versuche zu leben, geht es aber nicht darum niemals schwach sein zu dürfen. Das wäre auch sehr vermessen und nicht wirklich realistisch. Vielmehr geht es um das langfristige Denken und die Konsequenz seinen eigenen Weg zu gehen – und zwar alle Widerstände und Zweifel zum Trotz!

Die Niemals-Aufgeben-Mentalität bezieht sich also nicht auf das temporäre Aufgeben, sondern ist eher als Klammer und gemeinsamer Nenner für das große Ganze zu verstehen. Es ist eher wie eine Art Lebenseinstellung zu verstehen, mit der Bereitschaft, gelegentlich dem Wahnsinn in die Augen zu sehen und mit aller Konsequenz „sein eigenes Ding“ durchzuziehen. Den eigenen Idealen und Träumen treu zu bleiben, auch wenn rein rationell gesehen der Nutzen nicht greifbar erscheint. Von daher sehe ich die Niemals-Aufgeben-Mentalität als eine Art Leitbild, welches hilft, das vielzitierte „eigene Ding“ durchzuziehen, egal was kommt. Dabei sehe ich den Sport auch als eine Art Vorbild für alle andere Lebensbereiche.

Inhaltlich setzt sich die Niemals-Aufgeben-Mentalität aus vier Komponenten zusammen.

  1. Ziele und Visionen

  2. Niederlagen und Rückschläge als Chance erkennen

  3. Geduld und langfristiges Denken

  4. Demut

1. Ziele und Visionen:

 

Insbesondere als (Leistungs-)Sportler sind große Ziele und Visionen der Ursprung von allem. Sie sind der Motor der antreibt, der vibrierende Draht und das Salz in der Suppe. So richtig reizvoll wird es dabei auch erst dann, wenn man es schafft in eine langfristige Denkweise hineinzufinden. So eine Vision sollte sich ruhig auch am Rande des noch Realistischen bewegen, denn selbst wenn man das End-Ziel dann nicht ganz erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit für Erfolge sicherlich höher, als ohne solch ein langfristiges Traumziel. Natürlich braucht es auf dem Weg zum übergeordneten Ziel viele kleine Zwischenziele. Sicherlich sollte man sich nicht völlig geißeln, aber den Gedanken, dass jedes dieser kleinen Etappenziele in gewisser Weise auf das große Ziel einzahlt finde ich persönlich reizvoll und findet in meiner Ausrichtung von Wettkämpfen und Training seit je her Berücksichtigung. Logischerweise ist das Laufen mehr als nur Zielen hinterherzujagen. Nichtsdestotrotz üben Ziele, die sich eher aus der Gelegenheit ergeben nur einen überschaubaren Reiz aus. Dementsprechend nehme ich auch nur an wenigen (ernsthaft gelaufenen) Wettkämpfen teil und versuche stattdessen eher auch mal das Genusslaufen/-wandern nicht zu kurz kommen zu lassen. Die Auflistung meiner Ziele findest Du hier.

2. Niederlagen und Rückschläge als Chance erkennen:

 

Niemand verliert gerne und Niederlagen können mitunter eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit sein. Inhaltsleere Floskeln à la „Niederlagen gehören nun mal zum Sport dazu“ helfen in der Stunde des Scheiterns auch nicht wirklich weiter. Mir persönlich ging es tatsächlich immer ziemlich nahe, wenn mal ein Wettkampf daneben ging – vor allem, wenn die Niederlage vermeidbar gewesen wäre. So dauert es doch zumeist mehrere Wochen bis ich solche Negativerlebnisse für mich selbst abhaken kann. Mit zeitlichem und emotionalem Abstand hat sich immer gezeigt, dass jede Niederlage auf dem Weg zu großen Zielen essenziell wichtig ist. Oft war eine umfassend aufgearbeitete Niederlage genau der entscheidende Faktor, um eine Weiterentwicklung voranzutreiben. Ohne Niederlagen wären mir definitiv viele Erfolge und damit verbunden einzigartige Momente verwehrt geblieben. Es gehört sehr viel Mut dazu das „Scheitern“ als legitime Option zu akzeptieren, was auch für mich mit Zweifeln und auch mal Ängsten einhergeht. Nicht in allen Lebenslagen gelingt es, sich selbst zu überwinden die Komfortzone zu verlassen. Nichtsdestotrotz habe ich mein „Lebens-Leitbild“ so ausgerichtet, dass die Bereitschaft zu Scheitern ein wichtiger Bestandteil darstellt. Denn Niederlagen sind oft genau der Faktor, der einen wirklich näher an die großen Ziele bringt!

3. Geduld und langfristiges Denken:

 

Die Bedeutung des Faktors Geduld ergibt sich eigentlich schon aus den ersten beiden Punkten meiner Niemals-Aufgeben-Mentalität. Das, was mich antreibt, bewegt sich immer auf der langfristigen Ebene – über mehrere Jahre, oder sogar Jahrzehnten. All mein Denken, nicht nur im Sport, sondern auch beruflich und privat ist immer auf Langfristigkeit ausgelegt. Langfristiges Denken ist das was mich einerseits fasziniert und antreibt, auf der anderen Seite bedingt dies auch ein hohes Maß an disziplinierter Geduld. Bei der Sportart, welche ich betreibe ist jedoch auch während des Wettkampfs die Geduld einer der spielentscheidenden Faktoren. Bei meinen Ultramarathonwettkämpfen geht es oft über viele Stunden erstmal nur darum, sich zurückzuhalten und Kräfte für die entscheidende Phase aufzusparen. In eben dieser entscheidenden Phase zählt es dann wiederum über einen langen Zeitraum von mehreren Stunden sich mit Unwohlsein und Schmerzen zu arrangieren. Bei langen Ultramarathonstrecken ist vor allem derjenige erfolgreich, welcher es schafft, den Fluchtreflex des inneren Schweinehundes zu bändigen und Situationen geduldig auszuhalten.

4. Demut

 

Bei meiner Ziele- und damit auch Wettkampfauswahl präferiere ich ganz klar mess- und vergleichbare Rennformate, bei denen ein Maximum an Transparenz gegeben ist. Bei einem 24h-Lauf kann man nichts größer oder kleiner machen, sondern das Kilometerergebnis spricht für sich. Das bedeutet aber auch, dass man niemals denken darf, dass irgendwas „von alleine geht“. Für vergangene Leistungen gibt es keinen Zusatzbonus. Die Uhren werden bei jedem Wettkampf auf null zurückgedreht und das Spiel fängt jedes Mal auf’s Neue wieder von vorne an. Einen langen Ultramarathon läuft man auch nicht einfach so im Vorbeigehen. Von daher ist jegliche Art von Hochmut bei diesen langen Distanzen zum Scheitern verurteilt. Was zählt, sind stattdessen Demut und Respekt vor der bevorstehenden Aufgabe!