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DM im 6h-Lauf in Kleinmachnow

Das Antreten bei den verschiedenen Deutschen Meisterschaften in den Ultramarathondisziplinen hat bei meinem Verein, der LG Würzburg, mittlerweile schon eine jahrzehntelange Tradition. So war klar, dass eine Abordnung von uns auch bei den Titelkämpfen über 6 h an der Startlinie stehen werden. Richtig gut passte mir der Lauf zwar nicht in mein Konzept, aber ich konnte die Reise gut mit einem Treffen mit dem DLV-Kader und ein paar nachfolgenden Tagen mit meiner Familie an der Ostsee verbinden. Dementsprechend machte auch ich mich auf zur fünften und letzten Deutschen Meisterschaft im Jahreskalender des Ultramarathons.

Der 6-h-Lauf hat im Meisterschaftskanon schon ein wenig eine Sonderstellung. Im Gegensatz zu den anderen Disziplinen, die mittlerweile unter der Flagge des Leichtathletik-Verbands ausgetragen werden, ist hier weiterhin die Deutsche

Läufer bei Deutsche Meisterschaft im 6h-Lauf
Familiärer Support an der Strecke.

Ultramarathon-Vereinigung der alleinige Ausrichter. Die Deutsche Meisterschaft im 6-h-Lauf gibt es auch erst seit ein paar Jahren. Ich weiß natürlich, dass es Argumente für die Aufnahme in den Meisterschaftskanon gab, wie z. B. Einstieg in den Ultramarathon erleichtern, Beliebtheit dieses Rennformats abbilden, etc. Nichtsdestotrotz weiß ich nicht, ob das immer mehr an Meisterschaften oder meisterschaftsähnlichen Formaten wirklich der richtige Weg ist: 6-h-Lauf-DM, Bundesliga oder Cup auf nationaler Ebene. Auf internationaler Ebene Einführung einer WMA-WM im Rahmen der IAU-Meisterschaften über 24 h und Durchführung von Mehrtage-Lauf-Weltmeisterschaften durch den neugegründeten GOBU-Verband. Für all die Einführungen gibt es sicher gute und schlüssige Argumente. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob das „Noch-mehr“ an Meisterschaften so wirklich zielführend ist. Wenn man bedenkt, dass man im Ultralauf sowieso nur wenige Wettkämpfe wirklich ambitioniert laufen kann und sich die einzelnen Events sozusagen gegenseitig die „Ergebnisse“ wegschnappen, dann werden die einzelnen Meisterschaftstitel schon recht stark abgewertet. Vielleicht nicht mal unbedingt in den Gesamtwertungen, aber doch in den recht kleinstufigen Altersklassen, was ich an späterer Stelle des Artikels noch aufgreifen werde.

Nun aber Schluss mit „off topic“ und zurück zum Geschehen im Rahmen des 6-h-Laufs. Für mich persönlich stand heute ausschließlich eine solide Leistung für ein gutes Mannschaftsergebnis im Vordergrund. Mein Jahr ist mittlerweile aus Gründen des Zeitmanagements so strukturiert, dass ich im Herbst aus einer Phase umfangsarmen Trainings heraus nach und nach selbiges wieder forciere. Letztes Jahr hat diese Vorgehensweise auch hervorragend funktioniert mit einem zweiten Jahreshöhepunkt im Dezember. Das hatte für den Lauf in Kleinmachnow aber auch bedeutet, dass es wenig Sinn gemacht hätte, mich hier komplett abzuschießen. Dementsprechend war es mein Plan, den Lauf einfach im 5er-Schnitt möglichst gleichmäßig durchzulaufen. Von daher hat es sich auch wunderbar getroffen, dass meine Vereinskumpels Marko und Rainer einen ganz ähnlichen Plan verfolgten, mit dem Wissen, dass drei solide Leistungen schon für ein gutes Resultat in der Mannschaftswertung reichen können.

Der Lauf selbst verlief im Großen und Ganzen recht unspektakulär. Die ersten 3,5 Stunden lief ich durchgehend gemeinsam mit Marko und Rainer. Da wir die meiste Zeit am Labern waren, verging die erste Hälfte des Rennens auch wie im Fluge. Weniger Quatschen wäre sicherlich kräfteschonender gewesen, aber gut man gönnt sich ja sonst nix. Unsere Seilschaft löste sich dann nach und nach auf, als es allmählich ins letzte Drittel ging. Marko lief ein klein wenig schneller, während Rainer etwas Intensität rausnahm. Ich zog stattdessen meine eingeschliffenen Stiefel weiter konstant durch mit nahezu identischen Rundenzeiten. Nicht mehr identische Zahlen zeigte mir aber die Pulsfunktion an meiner Uhr an. Spätestens ab Stunde vier zeigte sich schon recht eindeutig, dass mir die langen Läufe und die entsprechenden Gesamtumfänge noch etwas fehlen. Für den einst am imaginären Tempomat eingestellten 5er-Schnitt sollte es aber dennoch reichen. Obwohl es heute eigentlich gar nicht so warm war und ich regelmäßig Flüssigkeit aufnahm, begleitete mich durchgehend ein ziemlicher Durst in den letzten beiden Stunden. Immerhin lies sich dies aber gut handeln, da die Runde nur gut ein Kilometer lang war, so dass man oft genug am Verpflegungsstand vorbeikam. In den letzten 45 Minuten ertappte ich mich immer mal wieder dabei, mir vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn das hier kein 6-h-, sondern ein 24-h-Lauf wäre. Puuh, nein, da war ich schon ganz froh hier und heute nach 360 Minuten stehen bleiben zu dürfen. Meinen 5er-Schnitt konnte ich bis zum Ende relativ linear durchziehen, so dass am Ende 72,6 Kilometer zu Buche standen. Wenn ich bedenke, dass ich vor gut zehn Monaten bei meinem Deutschen Rekord im 12-h-Lauf nach den ersten sechs Stunden schon 77 km abgespult hatte, obwohl es dann ja noch einmal sechs Stunden zu absolvieren galt, hätte sich der Lauf heute gerne auch etwas leichter anfühlen dürfen. Aber gut, letztes Jahr zur selben Zeit wäre es auch nicht anders abgelaufen. Von daher nicht jammern, sondern weitertrainieren.

Ein paar Resultate hatte der Lauf auch mit sich gebracht: In der Mannschaftswertung hatte es in der Besetzung Marko Gränitz, Florian Reus und Rainer Koch wie erhofft für einen Podiumsplatz mit Platz 2 gereicht.

Siegerehrung Mannschaftswertung 6h-Lauf Dreilinden Deutsche Meisterschaft
Gute Laune bei der Siegerehrung in der Mannschaftswertung.

Zu meiner Überraschung führten mich meine 72,6 km sogar zu Platz 1 in der Altersklasse M35. Und damit wären wir wieder bei meinem, eingangs erwähnten Statement. Eigentlich sollte es nicht so sein, dass mein eher halbgar gelaufenes Rennen für Platz 1 bei einer Deutschen Meisterschaft genügt, was jetzt nicht unbedingt für den 6-h-Lauf als Meisterschaftsdisziplin spricht. Denn da gäbe es sicher einige andere Läufer in meiner Altersklasse aus Deutschland, die das Ergebnis überboten hätten, aber eben nicht am Start waren.

Siegerehrung Altersklasse 6h-Lauf Dreilinden Deutsche Meisterschaft
Unverhofft...

2 Comments


Lieber Florian

Erst einmal: Herzliche Gratulation zu deiner Leistung und auch zu deiner Ehrlichkeit über die "Probleme" zu sprechen. Ich sehe es analog wie du, dass immer mehr Meisterschaften / Läufe hier die Qualtität nicht steigern. Vielmehr wünschte ich mir eine "Bündelung" oder "Konsoldierung" für ein Top-Niveau. Meiner Meinung nach könnten sogar die gesamten Nationalen Meisterschaften (von mir aus auch in der ganzen DACH Region) zusammengefasst werden. So hätten wir als Läufer wenigstens tolle Leute zusammen und es würde das "Laufen" wieder in den Vordergrund rücken. Ultralaufen verbindet, Ultralaufen ist Leidenschaft, Ultralaufen ist Kollegialität (wenn auch einsam) und Ultralaufen ist eine Familie, ein grosses Miteinander. Wäre schön, wenn wir diese Leute auch gemeinsam an den gleichen Läufen hätten.

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Florian Reus
Florian Reus
Oct 27, 2023
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Danke Dir für die Glückwünsche! Ja, Meisterschaften sollten immer etwas besonderes sein und analog zu anderen Wettkampfsportarten einen hohen Stellenwert haben.

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